Überdosis an Eindrücken in Varanasi und Essen bis zum Umfallen

Von Rishikesh aus buchten wir einen Nachtzug, der uns in 15 Stunden zu unserer nächsten Station nach Varanasi bringen sollte. Varanasi ist bekannt als die „heilige Stadt“ und eine der ältesten Städte Indiens. Außerdem ist sie berühmt für das Manikanika Ghat, die Stelle am Ganges, an denen täglich 300 Leichen verbrannt werden. Auch so sollte die Stadt sehr verrückt, laut und voll sein. Also ein Muss bei einer Indienreise, was wir uns nicht entgehen lassen wollten.

Nachtfahrten sind super praktisch, weil man erstens Geld für eine Nacht Unterkunft spart und zweitens die meiste Zeit schläft und die Zeit dann schnell rumgeht. So ist der Plan. In Indien sollte man das jedoch alles nicht so genau nehmen. Denn auch diese Fahrt sollte für uns wieder alles andere als einfach und schnell gehen. Voller Vorfreude auf die nächste aufregende Stadt kamen wir am Bahnhof an, fanden an der Anzeigetafel jedoch nicht unseren Zug, der 16 Uhr abfahren sollte. Der komplette Bahnhof war voller Menschen, die es sich bereits auf jedem Quadratzentimeter Boden bequem gemacht haben. Nach mehrmaligem Nachfragen fanden wir heraus, dass unser Zug dezente 5 Stunden später eintreffen würde. Bitte was? Wie kann ein Zug denn 5 Stunden Verspätung haben? Puh ok, ganz gleichmütig suchten wir uns einen Platz zum Chillen und aßen noch unser Abendbrot. Zurück am Bahnhof für Teilzeit-Obdachlose mussten wir wieder feststellen, dass unser Zug witzigerweise doch nochmal 4 Stunden länger braucht. Neue Abfahrtszeit 1 Uhr nachts. Kann das denn wahr sein? Nach 9 Stunden Warten traute ich meinen Augen kaum, als unser Zug dann tatsächlich in den Bahnhof einfuhr. 45 min später ist er auch endlich losgefahren und wir waren glücklich, dass es wirklich losgeht. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung mit solchen indischen Zügen zu fahren, nicht unbedingt positiv, aber anders 😀 Wir hatten ein Schlafwagen ohne AC, denn nachts zum Schlafen sollte ein Ventilator ja auch reichen. Hätte ja keiner gedacht, was uns noch bevorsteht… Außerdem war dieser Zug richtig alt, eklig und dreckig und fiel schon beim Anschauen auseinander. Ich machte die Augen zu und wollte mir das Elend nicht genau angucken und war einfach nur froh, endlich unterwegs zu sein. Seltsamerweise hielten wir ganz oft an. Manchmal standen wir auch bis zu einer halben Stunde einfach nur an Bahnhöfen rum. Gehörte das zum Reiseplan dazu? Nein leider nicht….und so wurde auch noch die eigentliche Zugfahrt immer länger und länger. Geplante Ankunftszeit war 7 Uhr morgens, mit der Verspätung dann 16 Uhr, aber mit der super langsamen Fahrt konnte keiner ahnen, wann wir wirklich ankommen. Na toll, einen ganzen Tag in Varanasi verloren, wo wir eh nur 3 Tage eingeplant hatten :/ Gleichmut, Gleichmut, Gleichmut…aber ich fühlte nur noch Hitze, Hitze, Hitze und natürlich auch irgendwie Ärger! Irgendwann empfand ich dann sogar meinen heruntergekommenen Schlafplatz als mein eigenes gemütliches Reich und fühlte mich dort wohl 😀 Interessant, wie schnell man sich an sowas gewöhnen kann. Die Zeit vertrieben wir uns mit Lesen, Schlafen und aus der Tür gucken. Michis Vorahnung ist mal wieder eingetroffen und wir kamen nach 24 Stunden Zugfahrt fast pünktlich 1 Uhr nachts in Varanasi an. Nach einem ordentlichen Mitternachtsessen sind wir dann total fertig ins Hotel (diesmal mit Klimaanlage!) und schliefen am nächsten Tag lange aus.

 

Varanasi

Nun blieben uns nur noch 2 volle Tage um die heilige Stadt zu erkunden. Das war im Nachhinein für uns auch ausreichend. Unser Hotel befand sich sehr zentral und somit war auch alles wichtige zu Fuß zu erreichen. Für die zwei Tage buchte ich in unserem Hotel eine Stadtführung und eine Bootstour zum Sonnenuntergang. Varanasi ist bekannt für die vielen Ghats (mit Treppenstufen versehene Badestellen am Ganges), an denen Feste gefeiert, Tote verbrannt, der Fluss geehrt, gebadet und gewaschen wird. Wir liefen also am Vormittag einfach drauf los, mit dem Ziel erstmal zum Ganges zu gehen. Natürlich liefen wir in die falsche Richtung und fragten dann jemanden auf der Straße nach dem richtigen Weg. Dieser Jemand stellte sich dann als unser Stadtführer für die nächsten Stunden heraus. Er nahm uns mit zu den wichtigsten Orten der Stadt, dem Manikarnika Ghat, an dem die Toten verbrannt werden, dem Dashashwamedh Ghat, an dem jeden Abend eine Zeremonie zu Ehren der Göttin Ganga stattfindet, und durch Teile der Altstadt zu dem berühmten Blue Lassi Shop.

War schon echt interessant. Aber nach dieser ersten kleinen Stadtführung brauchten wir ne Verschnaufspause in unserem klimatisierten Hotelzimmer. Draußen ist es voll und laut. Die ganzen Straßen sind überlaufen mit hupenden Autos und Motorrädern, Menschen, Shops und Essenssständen. Und natürlich ist es heiß. Nachmittags hat Michi sich so ein komisches rotes Tabak Zeug gekauft, was die Inder immer im Mund haben und nach einiger Zeit Kauen dann auf die Straße spucken. Sieht richtig eklig aus und viele Inder bekommen davon auch dunkle kaputte Zähne, aber irgendwie lieben sie es. Michi fands richtig eklig..haha, ich fands lustig!

Am zweiten Tag in Varanasi haben wir dann die gebuchte private Stadtführung gemacht. Irgendwie war das nun alles ein bisschen doppelt, aber die ungeplante Führung am Tag davor, war…wie gesagt ungeplant^^ Hinzu kam am späten Nachmittag dann noch die Bootstour, bei der wir ganz romantisch auf dem Ganges lang gerudert sind und uns die Ghats und die große Zeremonie vom Wasser aus anschauen konnten.

Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Flugzeug weiter nach Mumbai. Wenigstens bei unseren Flügen gab es keine Probleme 🙂

Navi-Mumbai

Als ich Anfang des Jahres für ein Praktikum schon einmal in Indien war, hat mich eine meiner Arbeitskolleginnen zu sich eingeladen, wenn ich wieder nach Indien kommen sollte. Super Sache! 🙂 Also habe ich das auf jeden Fall für diesen Urlaub mit eingeplant. Da in Indien alle paar Tage ein neues Fest stattfindet, war es auch in diesem Zeitraum so, dass das „Durga-Navarati“ gefeiert wurde. Und dafür wollten wir zwei Nächte bleiben, auch weil meine Freundin dann eh wieder arbeiten musste.

Essen essen und noch mehr Essen essen

Ja genau, eher das stand im Mittelpunkt unseres Aufenthaltes und nicht wie gedacht, das Tanzfestival. Grade bei ihr zu Hause angekommen, verzog sie sich schon gleich wieder in die Küche, um für uns etwas zum essen zuzubereiten. Mir war dummerweise gar nicht in den Sinn gekommen, dass in Indien die Gäste ja immer die Könige sind und auch so behandelt werden, vor allem beim Essen. Also stand sie stundenlang in der Küche, während wir uns ausgeruht haben. Zwischendurch gabs zur Überbrückung natürlich Chai Tee und Kekse. Das hätte für den Tag gereicht, weil wir vorher schon richtig gut satt waren. Aber nun folgte ja noch das große Premiumdinner. Ein ganzes Menü aus verschiedenem Gemüse, Reis, Chapati und Nachtisch wurde serviert. Natürlich war es super lecker, aber natürlich war es viel zu viel. Und natürlich wird dem Gast mindestens die doppelte oder dreifache Menge einer Portion serviert. Aber wenn wir den Nachschlag ablehnten, wirkte sie immer überrascht und etwas bedrückt, aber irgendwann geht nun mal nichts mehr in den Magen…..Und so liefen wir dann die ganze Zeit durch die Gegend, mit vollem Magen.

Aber eigentlich waren wir ja auch wegen dem Tanzfest da. Passend dazu zog ich meinen Sari an, den ich extra die ganze Reise mitgeschleppt habe, nur für diesen einen Abend 😀 Aber es sah immerhin sehr schön aus 🙂 Ich liebe diese traditionelle Kleidung der Frauen Indiens. So farbenfroh und fröhlich. Bei dem Fest stand die Göttin Durga im Mittelpunkt. Mehr weiß ich darüber auch nicht, reicht aber 😀 Die Straßen wurden bunt geschmückt und bunte Tempel wurden kurzzeitig errichtet. Dazu gab es noch einen großen Festplatz mit traditioneller Lifemusik. Leider war der Festplatz nicht so sehr besucht, wie meine Freundin es sich erhofft hatte und dann war sie schon wieder etwas bedrückt. Außerdem waren da noch die vielen Menschen, die Michi und mich angegafft haben, als wären wir von einem anderen Planeten. Ich in dem Sari stach erst recht aus der Masse hervor. Und kaum hat sich jemand getraut, uns nach einem Foto zu fragen, ging es los und immer mehr wollten Selfies mit uns machen… so erging es uns eigentlich immer und überall. Michi fands ganz toll, er ist halt auch ein kleiner Möchtegern-Star 😀 Ich fands auch eher lustig und auch die Inder haben sich gefreut 🙂 Nur unserer Freundin war das ganz unangenehm. Man hat ganz deutlich gemerkt, dass sie uns unseren Aufenthalt so ereignisreich, spaßig und lecker wie möglich machen wollte…. Das ganze Fotografieren fand sie aber total peinlich. Wir hatten trotzdem eine schöne schöne Zeit in Navi-Mumbai!

Nach nur zwei Tagen ging es auch schon wieder weiter: per Flugzeug nach Jaipur in Rajasthan!! 🙂

P.S.: Eine Erkenntnis am Rande: Wir besitzen doch noch kein so großes Durchhaltevermögen. Denn unsere Meditationsroutine ist eingebrochen 😦 Mit der ewig dauernden Zugfahrt hat es begonnen. Wir sind abends immer totmüde ins Bett gefallen und standen morgens früh auf, um in den Tag zu starten. Das Wetter war schwül, das viele Essen lecker und das zog den Körper immer ein wenig runter. Von Yoga mal ganz zu schweigen. Seit Varansi gab es keine Yogakurse, zu denen wir gehen konnten… Aber sollte zu Hause in Frankfurt ja wieder anders laufen!! 🙂

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