Indien #3: Rishikesh und die Höhle der Erleuchteten

Nach dem großen Wiedersehen am Ende des Vipassanakurses ging es für uns weiter mit einem Nachtbus nach Rishikesh. Unglaublich, wie der Körper auf die ganzen Sinneseindrücke reagiert, wenn man 10 Tage nicht redet, nicht viel nachdenkt und eigentlich auch nicht viel sieht. Völlig fertig und mit Kopfschmerzen fiel mir dann noch ein, dass die Busfahrt sich auch eher wie eine Kirmes-Attraktion anfühlen wird und wir durch die Berge fahren! Juhuu…aber das Übel kennt mein Magen ja schon aus Südamerika. Macht nix, dachte ich mir, als ich die erste von zwei Lunchtüten mit meinem Mageninhalt füllte….das geht auch vorbei! Da konnte ich gleich meine neu erworbenen Skills aus der Vipassana-Meditation anwenden und rief mir mein neues Lieblingsmantra in den Kopf „Gleichmut…Gleichmut…Gleichmut…auch das geht vorbei“ Und oh Wunder, das tat es 🙂

Früh morgens angekommen waren wir natürlich immer noch mega müde von der Fahrt und haben uns erstmal in Ruhe umgeschaut, was der Ort so zu bieten hat. Rishikesh wird auch als Yoga-Hauptstadt bezeichnet. Und tatsächlich findet man an jeder Ecke hunderte Yoga Classes und Ashrams (diesmal wirklich 😉 !) Und wir waren schon in voller Vorfreude alles auszuprobieren. Durch Rishikesh fließt außerdem der heilige Fluss Ganges, der im Hinduismus eine Gottheit darstellt und deshalb so heilig ist. Soo heilig, dass alle Inder mindestens einmal in ihrem Leben zum Ganges pilgern, um sich in ihm zu waschen, damit ihr Körper und ihre Seele gereinigt werden. Da wir eine funktionierende Dusche im Hotel hatten, gaben uns mit einem heiligen Fußbad zufrieden! Immerhin haben wir jetzt gereinigte Füße. Das Übel entspringt ja auch immer unten an der Wurzel 😉

In Rishikesh verbrachten wir insgesamt 6 entspannende Tage, trotzdem waren wir die ganze Zeit ziemlich fertig (ich zumindest). Die Sonne und die schwüle warme Luft sind einfach nichts für meinen Kreislauf. Also haben wir auch öfter nur in Cafés gechillt oder auf unserem Balkon mit tollem Blick auf den Ganges. Außerdem sollte nun jeden Morgen und jeden Abend eine ganze Stunde meditiert werden! Wir sind ja voll motiviert, unsere erlernte Vipassana-Meditation auch fortzusetzen!

Von meiner Mitbewohnerin im Vipassana Center habe ich für Rishikesh ein paar Tipps bekommen. Wir sollten unbedingt Acro Yoga ausprobieren. Acro Yoga hat eher weniger mit dem normalen Yoga zu tun, sondern besteht aus acrobatischen Übungen mit mindestens zwei Personen. Und da hatte ich voll Bock drauf. Ist ja mal was anderes, auch weil man Yoga sonst immer alleine macht, aber hierfür einen Partner braucht. Also gesagt, getan. Unsere erste Acro Yoga Class war eher wie ein Workshop, in dem wir ein paar Grundübungen kennenlernten und mit anderen zusammen zum Ende der Class größere Figuren machten, die aus mehreren Personen bestanden. War echt cool und hat voll Spass gemacht! In einer anderen Stunde haben Michi und ich schon echt gute Figuren hinbekommen (für meine Verhältnisse). Und so vertrieben wir unsere Zeit in Rishikesh auch mit ein paar Yogastunden 🙂

Den Frieden gefunden

Ein Highlight war auf jeden Fall unser Ausflug in eine Höhle (die Vashistha Höhle) und eine anschließende Wanderung zum Wasserfall. Der Wasserfall war jetzt nichts atemberaubendes, aber eigentlich ganz schön. Dafür fanden wir die Höhle umso eindrucksvoller. Die direkt am Flussufer des Ganges liegende Höhle war keine normale Höhle, denn sie wurde seit Jahrzehnten und Jahrhunderten oder vielleicht auch Jahrtausenden von krassen Typen zum Meditieren genutzt, um zur Erleuchtung zu gelangen. Da wir uns nicht vorstellen konnten, wie ein Mensch jahrelang ganz allein in einer Höhle leben kann, wollten wir uns das mal aus nächster Nähe anschauen. Wir sind natürlich direkt in der Mittagspause angekommen (Öffnungszeit bis 12Uhr, es war 12:20), aber dank indischer Pünktlichkeit war sie doch noch auf und wir konnten die Höhle ganz für uns alleine genießen. Und die mystische Höhlenenergie! Es war schon ziemlich erstaunlich, kaum eingetreten war es super ruhig, kein Muks war zu hören. Die Höhle war etwa so groß wie eine Ein-Zimmer-Wohnung und für Besucher wurden Sitzmatten und ein kleiner Schrein aufgebaut. Irgendwie fühlte ich mich ein bisschen elektrisiert, was durch die Gedanken an die super spirituellen Typen, die hier meditierten, noch verstärkt wurde. Uns blieb natürlich nichts anderes übrig, es uns bequem zu machen und selber zu meditieren. Es war so friedlich, wir hätten da Stunden sitzen können. Leider wurden wir nach einigen Minuten tiefer Meditation rausgeschmissen und die Höhle machte Mittagspause. Trotzdem ein unvergessliches Ereignis!

„Country? Married? Children?“

Nach dem Wasserfall sind wir noch einen anderen anderen Weg gefolgt, der weiter hinauf auf den Berg führte. Als erstes ist uns eine große Baustelle entgegen gekommen, die bald ein Ashram-Yoga Komplex werden soll. Von den ganzen Bauarbeitern wurden wir komisch angeschaut. Das verwirrte Anstarren kannten wir aber schon. Weiter oben…omg..das war so eine schöne Landschaft! Alles war so super grün. Dort haben wir ein kleines Dorf entdeckt. Und auch wir wurden entdeckt. Aus einem Haus hat eine Frau raus geschaut und uns gleich zu sich gewunken und wir sind ganz zaghaft hingegangen. Dann sind plötzlich noch mehr Frauen aus anderen Häusern herausgekommen, um uns zu begutachten. Leider konnte niemand wirklich Englisch sprechen, aber wir wurden zumindest neugierig inspiziert und mit Händen und Füßen und 5 englischen Wörtern ausgefragt, wo wir herkommen, was wir so machen und natürlich ob wir verheiratet sind. Das sind so im Grunde immer die meist gestellten Fragen, die wir zu hören bekommen. Nach einer Runde Chai Tee sind wir dann wieder zurückgegangen. Süße und herzliche Leute auf jeden Fall 🙂 Immer so neugierig die Inder.

Hunderte Gewürze für ein Essen

Ein weiteres Highlight in Rishikesh war eine Cooking-Class, die wir besucht haben. Und die hat sich wirklich gelohnt! Wer uns kennt, weiß, dass wir Essen über alles lieben und unsere neue Liebe ist indisches Essen ❤ Im Vorfeld konnten wir das Menü bestimmen, was wir kochen wollen. Was richtig klasse an der indischen Küche ist, ist dass sie oft auch vegan ist. Milch und Butter kann man ja auch mit Sojamilch und Öl ersetzen 😉 Nach einer kleinen Begrüßungszeremonie starteten wir mit einem Chai Tee und dann ging es richtig zur Sache. Nun sind wir eingeweiht in die Geheimnisse des indischen Kochens und können hervorragende Dals, Massalas, Currys, Halvas und Laddus zaubern. Ja..wir hatten auch immer Probleme, alles zu unterscheiden und wussten nie, was was ist, aber langsam haben wir den Dreh raus. Jedenfalls war das Essen einfach nur wunderbar. Ich hatte zwar kaum noch Hunger, weil wir zwischendurch immer probieren mussten, aber es passte schon alles rein. Die Inder sind auch immer so überfürsorglich und geben einem immer wieder Nachschlag..und danach noch ne Runde Nachschlag..usw als wären wir noch nicht genug gemästet. Die sind wirklich gut darin, „der Kunde ist König“ umzusetzen. Das schwierige daran, indisch zu kochen, ist vor allem, die komplizierte Kombination von Gewürzen und Zutaten. Man braucht so gefühlt 100 Gewürze! Und die ganze Vorbereitung, Gemüse zu schneiden und die richtige Menge aller Zutaten auszuwählen. Vielleicht werden wir in Deutschland für unser erstes selbstgemachtes Gericht Stunden brauchen 😀 Aber dann seid ihr alle herzlich eingeladen!

Fazit

Das in den Ausläufern des Himalayas gelegene Rishikesh ist ein toller Ort zum Versacken und Hängenbleiben. Denn hier gibt es günstige Guesthouses oder Hostels in super Lage und teilweise mit schönen Blick auf den Ganges. Den Tag über macht man Yoga, lässt sich massieren und hängt einfach nur in chilligen Cafés rum und liest ein Buch. Oder man bleibt gleich für mehrere Tage in einem Ashram 😉 Außerdem ist die Umgebung von Rishikesh echt sehenswert und es werden alle möglichen Aktivitäten von Wanderungen bis Raftingtouren usw. angeboten.

♥ om sweet om ♥

 

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