Indien #1 Dharamsala: McLeod Ganj

Am 28.08. ging es endlich per Nachtflug los nach Delhi. Schon bei der Buchung des Fluges konnte man auswählen, was man essen möchte. Zu der Zeit standen mein Freund und ich voll auf Rohkost und verrückterweise wurde ein raw vegetarian meal angeboten! Voll gut, erstmal bestellen! Wer uns kennt, weiß, dass wir uns seit einiger Zeit viel mit Ernährung beschäftigen und in dem Zuge auch nicht mehr so viel essen. Zwei Mahlzeiten pro Tag reichen und am besten noch mit frischen Zutaten. Als gegen 23 Uhr das Abendessen serviert wurde, war der Hunger dann aber doch nicht mehr so groß und die paar Gurken, Tomaten und Paprika machten uns auch nicht sonderlich an. Das war halt gar nicht unsere Zeit. Also haben wir das ganze Zeug in unsere mitgebrachten Tupperdosen verstaut. Besser haben, als brauchen! Es muss ja nicht gleich weggeschmissen werden und für die Not ist dann gesorgt 😉 Nun konnten wir auch ein bisschen schlummern. Jedoch wurden wir nach kurzer Zeit wieder geweckt, weil es auch schon Frühstück gab (3:15 Uhr deutscher Zeit). Ich frage mich immer, wie Leute, die grade aus dem Tiefschlaf gerissen wurden, es schaffen, sich sofort den Frühstücksmuffin in den Mund zu schieben. Unser bestelltes Obst landete ebenfalls in einer Tupperbox für später 🙂

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McLeod Ganj

Schon aus dem Flugzeug war die atemberaubende grüne Landschaft zu erkennen. Ein Träumchen! So herrlich die Natur zu sehen. Die Fahrt im Taxi nach McLeod Ganj war ziemlich kurvenreich und ich war immer erstaunt, wie zwei aufeinander rasende Autos sich auf diesen engen Straßen nicht berühren! Aber ich kenne den tollen indischen Fahrstil ja schon von meinem letzten Indien Aufenthalt. In mir kam dort schon Dschungel-Feeling auf. So viele grüne Rasenflächen, dicht an dicht stehende grüne Bäume und das feuchtwarme Klima. Es war ziemlich schwül warm, aber wir fuhren immer weiter nach oben, wo die Luft etwas angenehmer wurde. Am Straßenrand saßen überall Rhesus-Affen, ganze Affenfamilien, die sich gegenseitig säuberten oder die einfach nur die vorbeifahrenden Autos beobachten. Wahrscheinlich hingen sie dort ab, weil sie da Essensreste von dem vielen Müll am Straßenrand suchten. Auch Kühe chillten am Rand, aber die süßen Äffchen waren besonders putzig.

Im Hotel angekommen, war ich erstmal sprachlos von dem hammer Ausblick! Von der Terrasse des Hotels sowie von unserem Zimmerbalkon hatten wir perfekte Aussicht auf die Berge und die bunten Häuser am Hang. Es ist gerade die Zeit des Übergangs von der Regenzeit zur Trockenzeit und vereinzelt kommt der Regen noch in Strömen runter oder es nieselt hin und wieder. Die ganze Weite der Ferne war leider nicht zu sehen. Die Bergspitzen sind hinter dicken grauen und tiefhängenden Wolken verborgen. Trotzdem hatten wir einen super Ausblick aus unserem einfachen Hotelzimmer. Wie toll wäre das, jeden Morgen mit dem Anblick der grünen Berge aufzuwachen!

McLeod Ganj ist durch den Wohnort des Dalai Lama ein kleiner Touri Magnet und Pilgerort. In den Straßen wimmelt es nicht nur von tibetischen Mönchen in roten Kutten, sondern auch von Verkaufsständen, die mir aus Goa schon bekannt waren. Es gibt alles was das Hippie-Touri-Herz begehrt: bunte weite Hosen und Oberteile, Rucksäcke, Mala Ketten und diverser anderer Schmuck und alles mögliche an spirituellen Souvenirs und Edelsteinen. In mir kommen schon wieder Shoppingsüchte hoch und ich muss mich ziemlich zusammenreißen. Aber ich weiß, es gibt noch hundert weitere Möglichkeiten einzukaufen. Vor allem will ich den ganzen Kram ja nicht die ganze Zeit mit mir rumschleppen. Die Straßen hier bestehen aus einem Auf und Ab, wie es halt in Bergregionen nun mal so ist. Wir mussten viele Treppen laufen, was ich aber gar nicht mal so schlecht fand, denn das war der sportliche Teil unserer Tage! Wie in ganz Indien üblich, ist es auch hier normal, dass die Menschen in ihren Autos und auf den Motorrädern ohne Sinn und Verstand und ohne Rücksicht auf Verluste durch die Straßen fahren. Es wird gerast und gebremst, gehupt und ausgewichen. Im Vergleich zu den Großstädten war das hier aber alles ganz harmlos. Und eigentlich haben die Inder schon einen Plan, wie sie fahren müssen.

Tag 1: Nur noch schnell was kleines snacken…

Müde und etwas schlapp wollten wir den ersten Tag nichts Großartiges mehr starten. Der ersehnte Hunger kam endlich und die Vorfreude auf die super leckeren indischen Gerichten wuchs ins Unermessliche! Da hatten wir die Rechnung aber ohne unsere Salat Tupperbox gemacht! Wir rissen uns zusammen und haben den Salat mit dem gar nicht mal so leckeren Dressing schnell verputzt. Daraufhin entstand nun doch der Drang die Straßen in der Umgebung zu erkunden. Also schlenderten wir ein bisschen herum und ließen uns von den belebten Straßen treiben. Die ganze Gewürzvielfalt Indiens schien uns in die Nase zu stechen gepaart mit stinkendem Geruch von Abgasen und Abfall. Aber nun sahen wir auch alles, worauf wir uns die letzten Wochen und Monate so gefreut haben: die vielen kleinen schäbig aussehenden Essensstände am Straßenrand. Indische und tibetische Spezialitäten an jeder Ecke. Da hatte ich den Salat im Magen natürlich sofort vergessen! Ich wollte alles ausprobieren, alles schmecken und mir auf der Zunge zergehen lassen. „Komm, nur mal einen kleinen Samosa“ – „Ok, aber vielleicht noch die Kichererbsen dazu!“. Und schon hatten wir unsere Nachspeise. Oder Vorspeise?! 😀 Und es war sooo gut! Oh man ihr glaubt es nicht. Dieser erste Straßenstand war im Nachhinein auch der beste und so gingen wir jeden Tag dorthin. Einmal angefangen zu essen, ist das gierige Monster in uns erwacht und wir wollten noch etwas anderes ausprobieren, denn nach dem Essen ist vor dem Essen. Der nächste Stand paar Meter weiter verkaufte die berühmten Momos (gedämpfte Teigtaschen). Wir bestellten drei Stück. Der Verkäufer griff mit seiner bloßen Hand in die dunklen Ecken unter der Feuerstelle und packte weitere Momos auf seinem Dampfgarkochtopf und machte dann einen Teller mit 6 Stück voll. Er meinte es wohl gut mit uns, nahm jedoch einen neuen Teller um weiter aufzufüllen. Da begriffen wir, dass er uns nicht richtig verstanden hatte und uns drei Teller geben wollte. Naja, halb so wild, essen wir eben 6 Stück! Wir setzten unseren Weg fort. In einem super engen kleinen Laden lasen wir „Veg Thali“. Ich kannte ein Thali noch aus Mumbai und fand es einfach mega lecker. Es ist ein kleines Menü aus verschiedenen Dals (indisches Gericht aus Hülsenfrüchten), wie Linsen und Kichererbsen mit Reis und Chapati-Brot. Wir bestellten eins zum teilen und in nicht mal einer Minute hatten wir das Gericht vor uns stehen. Ich war eigentlich schon total satt, aber sowas kann man ja nicht stehen lassen. Ich weiß auch, dass mein Magen sich um einigen dehnen kann und meine guten Vorsätze waren jetzt mal über Board geworfen. Aufgegessen, 1€ bezahlt und weiter geht’s. Mit einer runden Kugel, die wir vor uns her schoben, beendeten wir unseren Ausflug. Aber nicht ohne nochmal in einem Café ein oder zwei Stückchen veganen Kuchen zu schmausen. Ohje, jetzt konnte uns eh nichts mehr retten. Ich weiß zwar nicht, wie die noch in unsere Mägen passten, aber es schien zu gehen. Die Glücksgefühle vom Essen standen mit unseren fast platzenden Bäuchen in Widerspruch, aber auf dem Heimweg hüpfte unser Herz von den kulinarischen Eindrücken. Pappsatt und 5 Euro ärmer schliefen wir dann glücklich und zufrieden ein…

Tag 2: Yoga an jeder Ecke im heiligen Indien – oder wie war das?

Der zweite Tag sollte nun schon etwas mehr bieten, als nur maßloses Essen. Wir starteten den Tag aber ganz gemächlich, sodass wir uns mittags nach unserem Obst Frühstück erstmal eine tibetische Massage gönnten. Für ca. 10 Euro pro Stunde werden wir dieses Angebot vielleicht jetzt jeden Tag in Anspruch nehmen. Ich ärgerte mich nur über die ölige Kopfmassage, die meine Haare wie einen reinen Fettklumpen aussehen ließen. Mit meiner „Only-Water“- Haarwaschmethode kann ich das aber nicht so leicht wieder grade biegen. Mal gucken, was mir noch so einfällt…
So, nun wollten wir nachmittags aber endlich mal unser geliebtes Yoga machen! Im LonelyPlanet und auf Tripadvisor fanden wir einige gut bewertete Yoga-Studios und an jeder Straßenwand klebten mindestens 4 Schilder, die auf verschiedene Kurse hinwiesen. Super, dachten wir uns, gehen wir einfach vor die Tür und gucken uns ein paar an. Wir wussten aber auch, dass in Dharamkot, dem 2 km entfernten Hippie-Yoga-Nachbarort, um 16 Uhr ein super Yoga-Kurs stattfinden sollte. Bewaffnet mit unseren Matten gingen wir erst bergab, dann bergauf, dann nach links, dann wieder zurück. Komischerweise kein Yoga Studio zu sehen. Merkwürdig! Ich, eh schon völlig aus der Puste vom ständigen auf und ab, versuchte nur noch meinen 20m vorlaufenden Freund zu erreichen. Er ließ sich nur von den vorbeifahrenden Autos ab und zu stoppen und erreichen. Michi wurde hibbelig. Es war immerhin schon 15:40 und deshalb entschieden wir nach Dharamkot zu laufen. Er war so nervös, dass er unbedingt ein Taxi holen wollte. Doch auch hier: keins zu sehen!. Also laufen wir und laufen…auf der Straße, vorbei an hupenden Autos, liegenden Kühe inklusive Kuhscheiße und vielen anderen Pendlern. Als es klar war, dass wir nie und nimmer pünktlich sein würden, entschieden wir nur noch im langsamen Tempo weiterzulaufen. Wie schön! Irgendein Kurs wird wohl immer laufen. Endlich angekommen, fanden wir sie: die leeren und geschlossenen Yoga-Studios. Kann doch nicht sein, dass in der Vorsaison alles dicht hat? Ein wenig traurig entdeckten wir dafür ein Schild, welches auf einen Wasserfall hinwies. Da dieser in der Vorsaison bestimmt offener gegenüber Besuchern ist und sie empfängt, dachten wir, dass wir ja noch ein bisschen weiter spazieren könnten. Wenn halt kein Yoga, dann eben ein Wasserfall! Ein paar Meter weiter sahen wir dann die Natur von ihrer schönsten Seite! Ein großer Abhang aus Steingeröll, wo das Wasser hinunterfloss, umgeben von den schönsten grünen Farben der Bäume und an der Seite ein Weg für die Touristen hoch zum Wasserfall. Also latschten wir mit unseren Yoga Matten und in Flip Flops und Chucks den kleinen Berg hinauf. Weiter unten im Wasser plantschten ein paar tibetische Mönche im Wasser und machten Selfies. Auch ein seltenes Bild. Wir dachten, was die machen, kann ja nur gut sein und taten es ihnen gleich.

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Einmal nett lächeln bitte Cheeeeese
Oben beim eiskalten Wasserfall angekommen, blieben wir eigentlich nicht so lange. Er war zwar schön, aber haute mich nicht von den Socken. Dafür aber das ständige Kommen und Gehen der Wolken, mit denen wir auf einer Höhe waren und die uns immer wieder zunebelten und sich dann wieder verzogen! Voll beeindruckend, aber auch ein wenig gruselig. Wer damals den Film „Silent Hill“ gesehen hat, weiß, wovon ich rede!

Nach dem Motto „Alle Wege führen nach Rom“ machten wir uns auf einem anderen kleinen Pfad am Rande des Berges auf dem Weg zurück in den Ort, von wo aus wir eine noch schönere Aussicht auf das Tal haben durften. Ab und zu hörte ich Michi hinter mir mit seinen Flip Flops auf dem nassen Weg leicht wegrutschen. Aber ich war mir sicher, dass er auch dies überleben wird. Mit keinem Plan, wo der immer mehr verwachsene Weg enden wird, schritt ich voraus. Unter uns waren aber schon Häuser in Sicht und so platzten wir irgendwann mitten auf einem Vorplatz aus dem Gebüsch. Wir landeten in einem Viertel voller Hostels und Backpacker und erreichten bald die Hauptstraße, die zurück nach McLeod Ganj führte. Das kleine Abenteuer beließen wir als unser Highlight des Tages. Zurück in unserer Straße probierten wir zum Abendessen tibetische Thenthuk Suppen, schmiedeten Pläne für den weiteren Urlaub und fielen dann wieder totmüde ins Bett.

 

Tag 3: Dalai Lama in town

Irgendwie immer noch nicht ganz in der indischen Zeitzone angekommen, wachten wir total zerknautscht auf. Wir wollten früh raus, denn wir hatten ein Ziel: Seine Heiligkeit der Dalai Lama gab ein drei-tägiges Teaching im Tibetian Temple. Der Dalai Lama, ein buddhistischer Mönch, ist das Oberhaupt der Tibeter und den wollte ich mal aus der Nähe sehen. Dafür wollten wir um 7 Uhr im Tempel sein und uns registrieren lassen. Der Tempel war zum Glück um die Ecke und wir mussten nur den ganzen Mönchen und anderen Menschen folgen, die sich den Vortrag des Dalai Lamas nicht entgehen lassen wollten. Um die Uhrzeit ging es auch noch relativ schnell und so hatten wir nach kurzer Zeit unsere Pässe und waren im Tempel. Natürlich wimmelte es bereits überall von Menschen und alle Sitzplätze schienen besetzt. Sitzen konnte man sowieso nur auf dem Boden. Wir ergatterten dann noch zwei gute Plätze weiter oben, von denen wir ab und zu den Dalai Lama mit eigenen Augen sehen konnten und nicht nur übertragen auf den Fernsehern. Ohne Plan, was auf uns zu kommt, saßen wir nun da und warteten, dass S.H. der Dalai Lama endlich erscheint. Er wirkte ziemlich witzig, ab und zu lachten die Leuten, aber wir verstanden kein Wort. Wir hatten nämlich kein Radio dabei, mit dem wir die Übersetzungen empfangen konnten. Nach einer Stunde Gebet und Vortrag konnte ich nicht mehr sitzen und war müde und so verschwanden wir in der ersten Pause nach draußen und gingen zurück. Ich war einfach nur gespannt auf die Atmosphäre und fand es interessant, die anfänglichen Mantra-Gesänge zu hören, den Dalai Lama live zu sehen und die anderen faszinierten Besucher zu beobachten. Für den restlichen Tag hatten wir nicht viel geplant. Nur essen, massieren lassen und ein bisschen lesen. Am darauffolgenden Tag sollte ja auch das große Vipassana Meditieren losgehen.

Fazit

McLeod Ganj oder auch Dharamkot kann ich sehr empfehlen. Ich fand es hier super angenehm und fühlte mich in den Bergen mit den tollen Aussichten sehr wohl. Man muss wissen, dass es ein Touristenort ist, aber ich denke hier in Indien sind alle Orte, an denen es was besonderes zu sehen gibt, immer voller Touristen. Aus diesem Grund kann man hier super shoppen gehen und sehr lecker speisen. Die Natur ist wunderschön und die Umgebung hat an Freizeitaktivitäten viel zu bieten, auch wenn wir das nicht in Anspruch genommen haben. Aufgrund des Exil des Dalai Lamas und der nördlichen Lage besteht hier ein Mix aus Indern und Tibetern, was kulturell auch ziemlich interessant ist.

 

Ein Gedanke zu “Indien #1 Dharamsala: McLeod Ganj

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